Yoga bei Multipler Sklerose

Yoga ist kein Heilmittel. Und trotzdem hilft es mir.

Eins gleich vorweg. Yoga heilt MS nicht – das kann derzeit niemand.
Aber Yoga kann ein Baustein sein, um mit MS zu leben und den eigenen Körper aktiv zu unterstützen. Bewegung kann unter anderem Muskelkraft, Gleichgewicht, Mobilität und Wohlbefinden fördern; auch für Yoga gibt es Hinweise auf mögliche positive Effekte bei verschiedenen MS-Symptomen.

Durch die Körperübungen kannst du Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung erhalten oder verbessern. Spätestens wenn sich die MS auf deine Beine oder Arme stürzt, ist das wichtig, da du mit einem stabilen Körper z.B. Gangunsicherheiten oder Probleme mit der Handmobilität besser bearbeiten kannst. Bewegung und gezielte Rehabilitation sind wichtige Bausteine zur Erholung, eine Cortisongabe kann bei einem akuten Schub den Prozess beschleunigen, ersetzt aber kein regelmäßiges Training

Verspannungen können durch ein gesundes Maß aus Anspannung und Entspannung gelindert werden. Reines Dehnen ist dabei aber nicht der Schlüssel zum Glück. Beweglichkeit ist wichtig, aber genauso wichtig sind Kraft, Koordination, Gleichgewicht und die Fähigkeit, zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln.

Halten wir also fest, um den Körper geschmeidig zu halten braucht es Bewegung. Klingt nervig und anstrengend und das ist es oft auch. Aber wir können nicht das eine Wollen und das andere machen. Nur der Wunsch reicht leider nicht aus, um fit zu bleiben, schon ohne eine Erkrankung des zentralen Nervensystems ist es mit Arbeit verbunden. Yoga war für mich immer ein Weg beweglich zu bleiben, ohne irgendeinen „Draußensport“ machen zu müssen. Einfach meine Matte und ich. Und ja Yoga kann auch helfen Stress zu bearbeiten. Auf der Matte kommst du zu dir und lernst wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden, aber irgendwann muss man eben auch wieder runter von der Matte. Um das erlernte langfristig in den Alltag zu übertragen, braucht es viel mehr als eine Yogamatte und ein paar Achtsamkeitsübungen. Stress allein ist nicht der Auslöser für alle unsere Probleme. Als Frau wird einem ja andauernd gesagt, dass Stressreduktion alle Probleme löst, aber was ist, wenn nicht? Bin ich dann selbst schuld, weil ich nicht genug gegen meinen Stress gemacht habe? Ich weiß nicht wie es dir geht, aber allein die Frage löst doch schon Stress aus.

Aber Yoga als Heilmittel für alle zivilisatorischen Krankheiten herzunehmen, reicht leider nicht.

Während einer Yogaausbildung stößt man irgendwann über den achtfachen Pfad, und hier besonders über Ahimsa – Gewaltlosigkeit. Die Yogaphilosophie geht weit über die Yogamatte hinaus und lädt ein sich mit dem eigenen Verhalten und dem Umgang mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Ich begann also meine Ernährung und meine Sicht auf das Leben im Allgemeinen neu zu betrachten und entschied mich schließlich für eine vegane Ernährung.

Seitdem geht es mir persönlich sehr gut, und ich bin bisher schubfrei geblieben. Ob beides miteinander zusammenhängt, kann ich nicht sagen, es kann auch einfach Glück sein. Meine persönliche Erfahrung ist natürlich kein wissenschaftlicher Beleg und eignet sich schon gar nicht für eine allgemeine Empfehlung.

Trotzdem gehört diese Erfahrung für mich zu meiner MS-Geschichte, weil die Auseinandersetzung mit Yoga meine Sicht auf mein Leben verändert hat.

Yoga hält deinen Körper, allein durch Mattenarbeit stark und geschmeidig. Durch die Auseinandersetzung mit den Lehren, stellst du vielleicht deinen Lebensstil (was ist wichtig und was nicht, mit welchen Menschen und vielleicht auch beruflichen Gegebenheiten will ich mich weiter auseinandersetzen und womit nicht) infrage und vielleicht änderst du es dann. Bei mir kam erst die Erkrankung und dann die Erkenntnis, dass ich gar nichts MUSS. Mein Leben, meine Erkrankung und was kommt das kommt.

Vielleicht ist es bei dir auch der Yoga, der dich auf deinem Weg begleitet. Vielleicht ist es auch eine andere Form der Bewegung. Denn darum wirst du – zumindest, wenn es dein Körper und deine Erkrankung zulassen – nicht ganz herumkommen. Hauptsache, du steckst den Kopf nicht in den Sand. Denn die MS geht davon nicht weg.

Also auf die Matte, fertig los!

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und meinen Blick auf Yoga und MS. Er ersetzt keine medizinische oder physiotherapeutische Beratung. MS verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich – auch Bewegung und Yoga müssen deshalb an die individuellen Beschwerden und Möglichkeiten angepasst werden.




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